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einzel_blatt_grKleinVivien

 geboren am 1. Oktober 1986  gestorben am 18. März 1987


mit 5 1/2 Monaten am Plötzlichen Säuglingstod.

 

 

Vivien

Vivien mit ca. 5 Monaten - die erste Operation ihrer Lippen-Kiefer-Spalte war bereits terminiert.

 

Du kamst,
du gingst mit leiser Spur,
ein flücht´ger Gast im Erdenland.

Woher? Wohin?

Wir wissen nur:
Aus Gottes Hand - in Gottes Hand.

(Ludwig Uhland)

 

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Vergessen!?

 

Heute ist der Geburtstag meiner Tochter Vivien. Es wäre ihr 15. wenn sie nicht am 18. März 1987 mit 5 ½ Monaten am Plötzlichen Säuglingstod verstorben wäre. Am vergangenen Samstag habe ich erstmals eine Messe für sie lesen lassen, weil dieser "runde" Geburtstag eine besondere Bedeutung für mich hat und weil ich dagegen ankämpfe, dass jeder meint ich müsste meine Tochter doch nach so vielen Jahren vergessen und ich solle endlich loslassen.

Muss ich das wirklich? Ist es nicht richtig, was mein Gefühl mir sagt? Nein, vergessen kann und möchte ich Vivien nie! Sie ist doch ein Teil meines Lebens und meiner Familie.

Wie immer war ich in den Tagen vor ihrem Geburtstag sehr empfindlich. Da mein eigener Geburtstag und der von Vivien nur vier Tage auseinanderliegen, wird mir an meinem eigenen Jubeltag auch immer bewusst dass ich meinen 24. Geburtstag auf der Wöchnerinnenstation verbracht habe in der Hoffnung, dass jede Stunde mein erstes Kind geboren werden kann.  Da ich eine Gestose hatte, wurde ich zum errechneten Termin ins Krankenhaus eingewiesen aber Vivien kam erst 10 Tage nach dem errechneten Geburtstermin zur Welt.

An diesem Samstagnachmittag vor der Messe habe ich den Anruf eines Vaters erhalten, der am Vortag seine Tochter verloren hatte. Wir haben lange miteinander gesprochen und ich ging sehr aufgewühlt zum Gottesdienst. Beim Eingangslied "Großer Gott wir loben dich" rollten mir die Tränen die Wange runter und die Umstehenden (wir wohnen in einem kleinen dörflichen Stadtteil, wo jeder jeden kennt) schauten sehr verwundert oder mitleidig.  Angesprochen hat mich  nach der Messe aber keiner darauf, sondern es wurde über Alltägliches gesprochen. Und wieder tat es sehr weh, dass obwohl es viele wissen, niemand den Mut hatte mit mir über den Verlust von Vivien zu sprechen.

 

Gabriele Luy
Im Gedenken geschrieben am 1. Oktober 2001